Vom Familienbett ins Babybett – Ja oder nein?

Familienbett-ins-Babybett

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Die Frage lautet ganz konkret:
Sollte mein Kind mit 2 Jahren in ein Babybett wechseln, oder weiter bei Mama und Papa schlafen?

Grundsätzlich ist es ja so, dass in den ersten Wochen und Monaten die Kinder bei den Eltern schlafen.
Dies hat einen entscheidenden Vorteil für das Kind.

Das Kind gewinnt Vertrauen

Das Stichwort ist Urvertrauen.

Was ist das?
Urvertrauen ist das Fundament bei jeder Persönlichkeitsentwicklung.
Es wird im ersten Lebensjahr erworben.

Kinder, welche dieses Urvertrauen an sich und ihre Umwelt integriert haben, gehen bestärkter selbstbewusster und optimistischer durchs Leben.

Urvertrauen wird erworben, in dem Kinder Liebe, Zuneigung und Versorgung erfahren.

Und all dies kann beim gemeinsamen Schlaf im Familienbett stattfinden.
Die Kinder fühlen sich umsorgt, wissen instinktiv Mama und Papa sind neben mir und wenn mir irgendetwas fehlen sollte, dann springen zwei Leute neben mir auf und kümmern sich.
Und genau darauf kann ich vertrauen.

Aber gibt es auch Nachteile, wenn das Kind länger im Familienbett schläft?
Ja die gibt es natürlich.

Die Beziehung der Eltern kann leiden.

Und das wiederum schadet dem Urvertrauen des Kindes.
Denn ein Kind lernt von den Eltern.

Es lernt Dinge wie:

  • Sprechen und Laufen
  • Ball fangen und Ball werfen

Es lernt aber auch durch den zwischenmenschlichen Kontakt, Dinge wie:

  • Ich kann dir vertrauen
  • Du bist genauso wie du bist – richtig.
  • Du erfüllst mich.

Und dies lernt das Kind indem es das Verhalten der Eltern wahrnimmt und interpretiert.
Das Kind lernt dabei zwei entscheidende Dinge:

  • Wie stehen Mama und Papa zu mir.
  • Und wie verstehen sich Mama und Papa untereinander.

Und diese beiden Informationen werden die Entwicklung des Urvertrauens entweder fördern oder hemmen.

Für Eltern bedeutet das:
Dass sie nicht nur dem Kind Liebe schenken und zeigen müssen
Sie müssen es sich auch untereinander und somit dem Kind zeigen.

Aber viele junge Eltern fallen nach der Entbindung in eine Art Beziehungsstarre.

Das Problem im Familienbett.

Es ist eigentlich kein Problem mit dem Familienbett an sich, sondern viel mehr ein Rollenproblem.

Liebe Eltern – machen wir uns doch nichts vor.
Das langersehnte Kind kam zur Welt. Die Schwangerschaft und die Entbindung waren mit Strapazen und Entbehrungen verbunden.
Der Lohn dieser Strapazen könnte doch eigentlich nicht größer sein.

Und dieses Gefühl, diese unendliche Liebe, schenkt man dem frischgeborenen Kind jeden Tag.
Der Mann wird zum Papa.
Und die Frau wird zur Mama.

Und hier liegt das große Problem vieler junger Eltern.
Denn ab dem Zeitpunkt, wo man sich 24 Stunden am Tag um das Kind kümmert – es umsorgt und wenn nicht körperlich, so doch gedanklich beim Kind ist – ist man mit der Rolle Mama und Papa behaftet.

Die Rolle Ehemann und Ehefrau wird dabei anfangs vernachlässigt und irgendwann aufgegeben.

So gibt es Männer, welche vor dem Kind eine gleichberechtigte Beziehung zur Ehefrau führten.
In dem Moment, als das Kind zu Welt kam – rutschte das Baby an erster Stelle.

Und die Ehefrau, welche das Kind nun mal am Meisten umsorgt, rutschte in der Hierarchie nach oben bzw. der Mann rutschte ab.

Wieso?
Alle Pläne werden auf das Kind abgestimmt.
Und die Pläne, welche auf das Kind abgestimmt werden, macht eigentlich immer der Partner, welche die meiste Zeit mit dem Kind verbringt.
Und zwischen Pläne abstimmen und Pläne bestimmen – ist nicht viel Raum.

Somit wird primär das Kind zum Bestimmer des Babyalltags und dadurch sekundär der erste Versorger des Kindes ebenfalls.

Bitte versteht mich nicht falsch:
Ich möchte hier nicht auf die Zurückgewinnung der Männlichkeit eingehen.
Die beschriebenen Sachverhalte müssen auch nicht in jeder Ehe so vorkommen – Dennoch kommt es vor.
Und es auch logisch, dass es so ist.

Wie kann sich das äußern?
Das Kind schläft anfangs im Familienbett mit Mama und Papa zusammen.
Papa schnarcht oder hat Angst das Kind zu erdrücken – Also schläft Papa auf der Couch im Wohnzimmer.
Und das macht Papa jetzt schon seit geschlagenen drei Monaten.

Nochmal die Grundlage für Urvertrauen ist eine glückliche Eltern-Kind-Beziehung.

Und die Grundlage für eine glückliche Eltern-Kind-Beziehung ist eine glückliche Mann-Frau-Beziehung.

Bevor man nicht selbst rundum glücklich ist, kann man sein Kind auch nicht rundum glücklich machen.

Und Glück und Liebe ist nichts was vom Himmel fällt.
Glück und Liebe muss erhalten werden.

Liebe ist ein Seins-Zustand.
Man liebt oder man liebt nicht.
Liebe hat also etwas mit “Tun” zu tun.
Lieben ist ein Verb und somit eine Tätigkeit.

Und wiederkehrende Tätigkeiten werden zu Gewohnheiten.

Eltern junger Kinder haben es sich schlichtweg abgewöhnt, sich untereinander zu lieben.
Das hört sich fatal an – es ist aber so.

Der Ausweg liegt darin, es sich wieder anzugewöhnen.
Man muss also lernen gewisse eingefahrene Gewohnheiten abzulegen.
Und eine dieser Gewohnheiten heißt Nicht-Loszulassen.

Ein Kind, welches 1 Jahr alt ist-muss nicht mehr im Familienbett schlafen.
Es ist einfach eine eingefahrene Gewohnheit.

Es wird dann Zeit in ein Babybett oder Beistellbett zu wechseln.
Und dieses kann übergangsweise im Elternschlafzimmer stehen.

Und auch das sollte nur übergangsweise sein.
Nach und nach kann man das Bett in das Kinderzimmer schieben.

Und dann wenn das Kind nachts aufwacht und schreit, sich im Kinderzimmer um das Kind kümmern.
Natürlich kann man das Kind dann wieder ab und an mit ins Elternbett zurückholen.
Aber es darf keine Gewohnheit sein.

Der erste Schritt für junge Paare besteht also darin, loszulassen.
Der zweite Schritt besteht darin, sich Zeit zu nehmen.
Und zwar Zeit in, welcher man nicht in der Mama- oder Paparolle ist.

So kann ein Kind zu Hause schlafen und die Großeltern passen auf.
Mama und Papa gehen mal wieder aus.

Und auch das Abgeben sollte anerzogen werden.
Kinder können bei den Großeltern das Wochenende verbringen.
So haben die Eltern mal das ganze Wochenende frei.

Fazit:

  • Natürlich sollten Kinder in den ersten Wochen im gemeinsamen Familienbett schlafen.
  • Dennoch müssen es sich irgendwann die Eltern und auch die Kinder abgewöhnen.
  • Spätestens zu dem Zeitpunkt, wenn das gemeinsame Familienglück beschädigt oder gefährdet wird.
  • Übergangsweise kann dann ein fahrendes Babybett oder ein Beistellbett helfen.